Der Weg ins Krankenhaus

Gleich vorweg möchte ich euch warnen: Auch diese Geschichte endet nicht mit dem Satz, das unser Nachwuchs geboren wurde. So weit sind wir noch nicht.

Gestern Nachmittag war ein sehr schöner und sonniger Tag in der unteren Obersteiemark. Der Himmel war blau und die Sonne schien sehr kräftig auf die gar nicht mehr winterliche Landschaft. Also Grund genug, das wir uns alle zu unseren PCs zurückgezogen haben und über die Webcam das schöne Wetter bewunderten. Wenigstens taten das die Naturliebhaber unter uns. Elke wollte sich mit Webcam-Blicken nicht zu sehr überanstrengen und so schonte sie sich beim Tetris-Spielen.

Sarah hatte einen etwa gleichaltrigen, mit ihr verwandten Spielkameraden zu Besuch und so spielten die Beiden auch vor ihrem PC. Kurz gesagt, es war ein wunderschöner, frühlingshafter Tag der durch die globale Klimaänderung etwas zu früh gekommen ist und daher ignoriert wurde.

Damit der Tag aber nicht ganz langweilig wurde und wir nicht alle vom vielen Computerspielen ganz rechteckige Augen bekommen, hat sich Elke was ganz besonderes einfallen lassen.

Sie meinte, sie hat von Zeit zu Zeit so ein komisches Gefühl im Bauch. Es tat nicht richtig Weh, aber es war etwas da, was sie sonst nicht so spürte.

Aus der einschlägien Literatur weiß ich ja mittlerweile, das eines der ersten Anzeichen der Geburt die Wehen sind. Elke war sich zwar sehr unsicher, ob das was sie spürt wirklich Wehen sind, aber sie war sich halt auch nicht wirklich absolut sicher, das es keine sind.

Und so begann die erste Generalprobe.

Als wir uns entschlossen hatten ins Krankenhaus zu fahren, begannen wir nochmals den Inhalt unserer Tasche zu kontrollieren. Aber alles wirklich Wichtige, wie zum Beispliel die Videokamera undder Fotoapparat waren eh schon eingepackt. Zur Sicherheit habe ich noch eine Ersatzbatterie für die Digitalkamera und eine zusätzliche leere Videokassette in die Tasche gestopft.

Dann gings weiter mit den administrativen Aufgaben. Nachdem wir ja zwei Kinder unter unserer Obhut hatten und wir janicht sicher wußten, ob wir nicht noch zusätzlich ein neues Kind kriegen, versuchten wirdie "alten" Kinder irgendwie los zu werden. Die erste Idee, beide Kinder bei Sarah's "Leoben-Oma" anzugeben, wurde von Sarah abgelehnt. Sie wollte zur anderen Oma. Und nachdem es sinnlos ist, im Zusammenhang mit Kindern eine eigene Meinung zu haben, haben wir auch alles so gemacht, wie sich Sarah das vorgestellt hat.

Nach ein paar Telefonaten, um die Oma's von ihren Glück zu informieren, sind wir dann losgefahen. Das heißt, wir wollten eigentlich gerade losfahren, als Sarah bemerkt hat, das sie ohne ihre Digimon-Plüschtirenirgendwo hin geht. Und so sind wir wieder zurück ins Haus gegangen und haben nach gar nicht allzulanger Suchzeit unter Sarahs Bett die gewünschten Viecherl gefunden. Mit diesen drei Digi-"Monstern" im Gepäck sind wir dann abgefahren. Der erste Stopp war bei Sarah's Stadtoma. Dort haben wir Sarah abgegeben und Elke hat ihrer Mutter erklärt, das sie wahrscheinlich eh keine echten Wehen hat und das wir nur zur Kontrolle ins Krankenhaus fahren.

Mit dem zweiten Kind sind wir dann weiter nach Leoben gefahren - zu Sarahs "Leoben-Oma".

Was Elkes Zustand wirklich bedeutet war uns natürlich immer noch nicht klar. Für echte Wehen waren sie zu schwach, aber es war halt doch etwas da. Und 12 Tage vor dem errechneten Geburtstermin wäre es ja nicht ungewöhnlich, wenn die Geburt schon los ginge.

Es war finster und ich wllte ja sicher im LKH ankommen und so bin ich eher langsamer als sonst unterwegs gewesen. Was sich auch durchaus bezahlt gemacht hat, denn kurz vor der Autobahnauffahrt in Bruck stand plötzlich ein Hund vor mir auch der Straße. Erlaubt wären an dieser Stelle glaub ich 70 km/h gewesen und es war finster und es gab Gegenverkehr. Normalerweise hätte ich ihn ja ohne einer Chance irgendetwas anderes zu tun überfahren. Aber weil ich eben recht langsam unterwegs war, hat dieser Hund den gestrigen Tag ohne Unfall mit meinem Auto überlebt. Doch vieleich kam ja hinter mir ein anderes Auto (vieleicht sogar ein LKW :-) ) das ihn plattgewalzt hat. Irgendwie doch leicht irritiert, von dem Gedanken, wie leicht was passieren kann, fuhr ich weiter nach Leoben.

Kaum war ich in Leoben von der Autobahn abgefahren, lang eine breite vierspurige gerade Straße von mir.Nachdem es schon halb-zehn Uhr nachts war, waren die Ampeln alle auf gelb-blinken geschaltet. In so einer Situation fällt es echt schwer, nur die erlaubten 60 km/h zu fahren. Naja, ich geb zu 67 werden's wohl gewesen sein, als plötzlich ein Fußgänger vor mir auf die Straße stieg. Der "Fußgänger" hatte sogar ein rotes Licht in der Hand und als ich ihn geenau betrachtet habe, bemerkte ich sogar seine Uniform und das Polizeiauto, das neben ihm stand.

In aller Ruhe erklärte er mir, das er eine Verkehrskontrolle mache. Leicht aufgeregt meinte ich zu ihm, das die Geschichte zwar etwas komisch klingt, aber das meine Freundin bald ein Kind kriegt unddas recht gern weiter ins LKH fahren täte, wenn ich nichts Schlimmes angestellt habe. Ich war mir absolut sicher, das ich nicht zu schnell war. Und überhaupt, der Polizist hatte ja nicht einmal eine Radarpistole, was sollte der mir so schon beweisen. Aber der Polizist meinte nur, er hätte gern den Führerschein und die Zulassung. Leicht fluchend, versuchte ich diese Dokumente auszugraben. Ich hab nämlich in meinem Auto unter dem Rücksitz eine Geldkassette montiert, in der ich die Fahrzeugpapiere lagere.

Ich hob den Rücksitz auf und sperrte die Geldkassette auf. In der Zwischenzeit hat aber der zweite Polizist mit seiner Taschenlampevon außen in das Auto geleuchtet und so Elkes doch schon sehr beeindruckenden Bauch gesehen. So war dann doch glaubhaft, dass ich keinen Scherz machte und die Polizeihattedann doch ein einsehen. Herzeigen habe ich meine Autopapiere gar nicht mehr müssen. Sie wünschten uns noch alles Gute und meinten ich soll weiter fahren.

Ein Zwischenstopp war dann noch bei der "Leoben-Oma" wo wir das zweite Kind abgaben. Wobei abgeben die Sacheetwas vereinfacht ausdrückt, denn diese Oma wohnt im 4. Stock in einem Haus ohne Lift. Leicht außer Atem fuhrenich weiter ins LKH.

Dort war der Schranken weit offen und so parkten wir direkt vor dem Eingang zur Gebärklinik.

Im Kreissaal angekommen, hat uns eine Hebamme empfangen, die uns beruhigt hat. Ca. 1 Stunde war Elke dann am Wehenschreiber angeschlossen. Die Diagnose war, das die wehenartigen Empfindungen vom lebhaften Kind in Elkes Bauch hervorgerufen wurden und das sonst alles in Ordnung ist. Echte Wehen waren es jedenfalls nicht und so wurden wir wieder aus dem LKH entlassen.

Zu Hause angekommen fielen wir beide sehr, sehr müde ins Bett.

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