Die Geheimnummer

Hallo Freunde

Nach langer Pause melde ich mich wieder einmal bei euch.

Was sagt ihr, wie berühmt meine Firma derzeit ist. Fast täglich werde ich in der Zeitung an meinen Arbeitgeber erinnert. Aber die meisten Informationen habe ich auch aus der Zeitung. Noch habe ich jedenfalls nichts davon erfahren, daß ich die Firma verlassen werde, was aber überhaupt nichts sagt, weil derzeit noch niemand weiß wer gekündigt wird. Ich werde euch jedenfalls rechtzeitig mitteilen, wenn sich meine E-Mail-Adresse ändert.

Aber was viel interessanter ist:

Wie ihr alle wißt, kenne ich seit etwas mehr als einem haben Jahr ein Mädchen, das auf den Namen Sabine hört. Natürlich hört sie nur dann auf den Namen, wenn sie etwas davon verspricht, aber rein von der Theorie her sollte sie sich angesprochen fühlen, wenn dieser Name genannt wird. In dieser Mail geht es aber nicht um den trivialen Fall, wie man auf akustischen Weg die Verbindung zu einer Frau herstellt, sondern viel mehr darum, wie ich über das öffentliche Telefonnetz mit meiner Frau kommunizieren kann. Normalerweise geht das ganz einfach, würdet ihr glauben: Ich gehe zu einem Telefon, nehme den Hörer ab, wähle ihre Nummer, warte bis sie sich meldet und sage dann "Hallo, ich bin's, der Gerald" Woraufhin sie dann sagen sollte "Hallo Gerald" und dann beginnt der eigentliche Austausch der Informationen. Abgebaut wird eine solche Verbindung mit dem Wort "tschüs" das von der Gegenstelle zur Quittierung wiederholt wird.

Jetzt fragt ihr euch sicher, wenn ich die Theorie des Telefonieren so gut beherrsche, warum ich euch das erzähle:

Das ist leicht erklärt. Bisher war alles Theorie, in der Praxis gibt es da aber kleine Hürden.

In der Anfangszeit des Telefonieren waren schlechte Leitungen und nicht funktionierende Telefone die Hauptursache warum keine Verbindungen zustandegekommen sind. Diese Probleme werden jedoch immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Daher hat sich unsere Post in Zusammenarbeit mit meiner Sabine andere Hindernisse ausgedacht, um die Kommunikation zu verkomplizieren. Der Punkt, der in der Theorie so schön heißt: "wähle ihre Nummer" ist in der Praxis fast nicht erfüllbar. Woher soll ich ihre Telefonnummer wissen. Am Tag, an dem wir uns das erste Mal gesehen haben, es war der 7. Juli 1996, das weiß ich noch ganz genau, weil es war der Tag nach der traditionellen Sommer-Grillparty, habe ich sie gefragt, ob sie mir ihre Telefonnummer sagen würde. Sie sagte: "Nein, das ist eine Geheimnummer, das mußt du verstehen". Ach ja, wenn ihr mich ein paar Tage vor dem 7.Juli erinnert, das auf mich ein Jubiläum zukommt, wäre euch Sabine sicher dankbar. Ich verstand zwar nicht, warum sie mir ihre Telefonnummer nicht geben kann, aber ich dachte mir, sie wird wohl ihre Gründe haben. Die Monate vergingen und wir sahen uns immer öfter. Irgendwann war es dann so weit, daß ich sie in ihrer Wohnung besucht habe, aber wie ihr euch sicher denken könnt, steht eine geheime Telefonnummer auch nicht auf dem Telefon. Und wenn ich sie von Zeit zu Zeit darauf ansprach, meinte sie, es wäre noch zu früh mir ihre Nummer zu geben. Auch nachdem ich ein paar Monate bei ihr wohnte, sagte sie mir aber ihre Telefonnummer immer noch nicht.

Zwischendurch einmal saßen wir vor dem Fernseher und sahen die Sendung "Wer will mich" Für alle, die diese Sendung nicht kennen: In dieser Sendung werden obdachlose Tiere vermittelt. Sabine hat zwei Katzen, die sie über diese Sendung bekommen hat. Sie erzählte mir, wie sie damals zu den Vierbeinern gekommen ist und ganz stolz erwähnte sie auch, das sie sogar von der Frau Klinger zurückgerufen worden ist. Während sie das so sagte, hat man plötzlich bemerkt, das sie ein klein wenig nachdachte und dann meinte sie noch: "Ist schon eigenartig, wem ich meine Telefonnummer sage" Aber es blieb eigenartig und sie hütete ihr Geheimnis.

Letztes Wochenende machten wir einen kleinen Ausflug. Wenn sie irgendwas unternehmen will, sieht das meist so aus, daß sie mir sagt: "Du ich habe morgen Urlaub und ich will nicht allein zu Hause sein" Letzten Mittwoch sagte sie eben in gewohnter Manier, das sie Freitag und Montag Urlaub hat. Ich wollte meinen Chef nicht wieder mit zu kurzfristigen Urlauben schockieren und habe gemeint, das ich nur einen Tag davon auch Urlaub nehme. Wir entschieden uns für den Freitag. Übrigens, wir waren dieses Wochenende in Altausee. Eine recht schöne Gegend, aber die Preise sind für reiche Touristen gedacht, die möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit los werden wollen. Am Montag hatten wir dann erstmalig den Zustand, daß sie Urlaub hatte und ich aber arbeiten mußte. Normalerweise telefonieren wir fast jeden Tag einmal miteinander, aber ich kann sie nur dann anrufen, wenn sie an ihrem Arbeitsplatz ist. Diesen Montag war sie aber nicht dort und daraus hat sie auch folgerichtig geschlossen, daß sie in der langen Zeit zwischen Frühstück und Abendessen nichts von mir hören wird. Und siehe da, Sonntag am Abend begann sie damit, das sie meinte, es wäre doch an der Zeit mir ihre Telefonnummer zu sagen. Montag früh, kurz bevor ich zur Arbeit ging, sagte sie mir ihre Telefonnummer. Eine ganz normale Nummer. Wenn sie mir ihre Nummer ein paar Wochen vorher gesagt hätte, dann hätte die Ziffernsumme ihrer Telefonnummer noch ihrem Alter entsprochen, aber das hat sie leider verpaßt. Montag habe ich sie natürlich angerufen, damit ich auch ganz sicher bin, das die Nummer richtig ist aber seitdem bin ich auch der Meinung, das ich die Nummer eigentlich ja gar nicht brauche. Geheimnummern sind nur interessant, wenn man sie nicht kennt. Wie schön waren meine Überlegungen, wo ich gegrübelt habe, wie ich an diese Nummer komme. Eine Idee war mit einem Computer 10000 Leute anzurufen. Eine andere war ihre Mutter zu fragen. Und ob man die Post nicht austricksen kann, wenn man anruft und sagt "Ich habe meine Geheimnummer vergessen" ist auch noch nicht ganz geklärt. Aber Sabine hat einfach ohne auf mich Rücksicht zu nehmen alle meine schönen Überlegungen zunichte gemacht in dem sie mir vollkommen unerwartet ihre Nummer sagt. Und damit ist auch das Kapitel Geheimnummer abgeschlossen.

schöne Grüße,

Gerald

 

PS:

Hallo Beate

Ich hoffe, Du bekommst diese Mail jetzt direkt in deinen Computer geliefert und ich hoffe auch, Du hast etwas Spaß beim Lesen.

 

PS:

Hallo Rudi

Wegen Faschingdienstagabend weiß ich noch nicht so genau. Das ist alles nicht so leicht. In der Firma bekomme ich viel leichter Urlaub, als außerhalb der Arbeitszeit und daß obwohl ich nicht einmal bei der Gewerkschaft bin. Dazu fällt mir ein: Gibt es eine Organisation, die sich für die Rechte der Männer einsetzt oder sind wir Männer den Frauen hoffnungslos ausgeliefert ?

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