Wenn i sou lenk und an nix denk ...

Die Radarfalle

Ich hatte ich einen langen, harten Arbeitstag. Lang weil ich lang nachgedacht habe, ob ich etwas arbeiten soll und hart, weil nachdem ich mich endlich entschlossen habe etwas zu tun, habe ich feststellen muessen, das es zu spät war.

Ich dachte mir, morgen ist auch noch ein Tag und ging nach Hause. Weil es für mich ganz ungewohnt war, vor 6 Uhr die Firma zu verlassen und ich mich noch dazu derzeit selbst um die Beschaffung meiner Lebensmittel kümmern muß, habe ich mich in den nächsten Supermarkt begeben, und dort einige Regale besichtigt. Nach langen, anstrengenden Überlegungen habe ich beschlossen, Tortellini mit Sahnesoße zu essen. Ein Grund, der mich zu diesem Entschluß bewogen hat, was, daß auf der Tortellinipackung das Rezept für die Sahnesoße stand. Und so kaufte ich alles ein, war in dem Rezept verwendet wurde. Eine Packung Schlagobers und etwas Schinken. Für den Fall, daß meine Kochkünste doch nicht ausreichen für ein so anspruchsvolles Gericht sind, habe ich zur Sicherheit noch 3 Becherl Joghurt gekauft. Und für das Frühstück legte ich noch 3 Nußschnecken in meinen Einkaufswagen. So ausgerüstet lenkte ich meinen Einkaufswagen zur Kasse 2.

Die Kasse 4, die ich als Ärzte-Fan bevorzugt hätte, war zu diesem Zeitpunkt nicht besetzt. Vor mir im Stau stand ein Einkaufswagen, der seine höchste Zulässige Beladung voll ausgenutzt hatte. Und weil der Stau hinter mir auch immer länger wurde, wurde auch eine weitere Kasse eröffnet. Die Kasse 4. Die Kassiererin hatte zwar keinen roten Minirock, aber das war auch schon der einzige Unterschied, den es zur Geschichte der Ärzte gab. Aber ich hatte mich so in meinem Stau verkeilt, daß ich die Kasse nicht mehr wechseln konnte. Und das schöne an der Sache ist, das diese Kleinigkeit die einzige schlechte Nachricht ist, die ich euch erzählen kann. Weil jetzt komme ich zum Kern der Geschichte.

An der Kasse angekommen zahlte ich meine paar Kleinigkeiten, während der Einkaufswagen vor mir unter seiner schweren Last litt. Von einem kleinen Minderwertigkeitskomplex geplagt, räumte ich meine paar Kleinigkeiten ins Wagerl und schob es zum Auto.

Da ich mich nicht als Einkaufsexperte bezeichnen kann, habe ich natürlich nichts im Auto, in dem man Joghurt oder Schlagobersbecher sicher abstellen kann. Die Möglichkeit, daß ich eine leere Schachtel vom Geschäft zum Auto mitnehmen haette können, ist mir erst jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, eingefallen.

Aber sportlich wie ich bin, habe ich die empfindlichen Behälter frei im Kofferraum meines Autos aufgestellt. Der Weg nach Hause ist ja nicht weit, habe ich mir gedacht, und wenn ich vorsichtig fahre kann überhaupt nichts passieren. Langsam bewegte ich mich mit meinem Auto vom Parkplatz. Das Gaspedal habe ich nur gestreichelt, das Lenkrad nur so wenig bewegt, das ich mich gerade auf der Straße halten konnte. Nach einer langezogenen Linkskurve und einer sehr engen Rechtskurve, die ich bis an den linken Strassenrand ausnutzte, um sie ein bischen weniger eng zu machen, war sie dann da. Eine lange Gerade, meine Lieblingsstrecke, 10 m breit 500 m lang und hinter mir ein VW-Bus der schon zum Überholen ansetzte. Ich überlegte was schlimmer ist, den Kofferraum voll mit Joghurt und Sahne oder von einem VW-Bus überholt zu werden. Während dem Denken hat es sich der VW-Bus doch wieder anders überlegt. Ich fragte mich, ob er vielleicht auch Joghurt auf der Ladefläche transportiert. Einen anderen Grund konnte ich mir einfach nicht vorstellen, warum jemand auf dieser Straße so langsam fährt. Und als ich meinen Blick wieder vom Rückspiegel nach vorne gleiten lies, habe ich es gesehen. Nein, nicht das Joghurt, das stand noch immer sicher im Kofferraum, nein, 6 m grüner Stoff mit einer roten Kelle in der Hand standen plötzlich vor mir. Instinktiv blickte ich sofort auf den Tacho. Er zeigte fast 80 km/h. Ich überlegte wie schnell ich fahren durfte: nämlich 50 km/h. Und ich berechnete die Differenz: weniger als 30 km/h. Und ich jubelte innerlich. Ich werde meinen Führerschein noch länger haben. Professionell, als ob ich das täglich machen wurde griff ich zum Handschuhfach, und nahm meine Autopapiere heraus. Als ich dann ausstieg wurde ich von einem Gendarmen aufgeklärt. Ich sei mit Laser gemessen worden. Dabei wurde festgestellt das ich mit 75 km/h unterwegs war. Ich dachte zwar das mein Tacho 80 gezeigt hat, aber ich war auch so zufrieden. Nach einigem Rechnen kam der Gendarm zu dem Schluß 25 km/h Übertretung entsprechen 300.- S . Er fragte mich ob ich sofort zahlen will. Ich lächelte ihn an und meinte: "Aber sicher".

Nachdem der Betrag fixiert war, versuchte ich dem Gendarm noch weitere Informationen zu entlocken: Ich fragte, ob er schon ein Auto gesehen hat, das hier nicht schneller als 50 km/h gefahren ist. Er verstand die Frage nicht und fragte zurück, ob ich wissen will, ob sie hier schon öfters gemessen haben. Ich sagte: "Nein, wenn sie hier schon einmal gemessen hätten, würde ich das wissen". Ich fragte nochmals, ob es jemanden gibt der an dieser Stelle nicht aufgehalten wird. Er hat die Frage wieder nicht verstanden, und sagte "Hier werden alle aufgehalten, die zu schnell fahren." Ich gab auf. Dann umkreiste er noch 3 mal mein Auto. Wenn ich gewußt hätte, wie gut es ihm gefällt, hätte ich es vorher gewaschen. Er fragte noch, ob ich es eilig habe, weil ich so schnell gefahren bin. Ich meinte, ich hatte es nicht eilig. Ich erzählte ihm nichts von den Joghurtbecher im Kofferraum und daß ich gerade versucht habe, die Joghurtbecher heil nach Hause zu bringen. Dann erklärte mir der Gendarm noch, daß sich die Anrainer der Straße beschwert hätten, daß hier immer so schnell gefahren wird. und ob ich die Strecke öfters fahre. Ich erklärte ihm daß ich diese Stecke täglich fahre, wenn ich zur Arbeit unterwegs bin. Er fragte noch, ob mir auch schon aufgefallen ist, daß hier so schnell gefahren wird. Und ich erklärte ihm, daß ich dazu nichts sagen kann. Oder hätte ich sagen sollen, so langsam als heute war ich hier noch nie unterwegs. Ich glaube jedenfalls ich war der glücklichste Kunde, den dieser Gendarm gehabt hat. Zu Hause angekommen, habe ich noch meinen Bruder anrufen wollen, um ihn zu fragen ob er diese Stecke auch gefahren ist und wie schnell er war, aber er war leider nicht zu Hause.

Jetzt fühle ich mich noch immer wie nach einem Lotto-Gewinn. Ungefähr 30.000.- Strafe die mir zustanden und 300.- die ich bezahlt habe. Da habe ich mir einiges gespart. Ganz zu schweigen vom Führerschein, den ich jetzt auch noch habe.

Aber was können wir aus dieser Geschichte lernen:

Fahrt nie ohne Joghurt an Radarfallen vorbei und räumt euer Auto immer so ein, damit ihr einen Grund habt, langsam zu fahren.

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