Urlaub 1996

Hallo alle

Manfred hat geschrieben, das es so schoen ist, sinnlose Daten quer durch Internet zu schicken. Daher schicke ich euch diese Mail: Antworten auf Fragen zu meinem Urlaub, die ihr nicht stellen wolltet: Das Wetter war recht schoen, es gab drei Wochen lang keinen Regen, es war sonnig und warm. Es gab jedoch oefters zu viel Wind um entspannt zu segeln, aber ich war trotzdem recht oft segelnd unterwegs.

Ich habe cirka 3 kg abgenommen oder meine Waage hat wahrend des Urlaubs aufgehoert das Gewicht richtig anzuzeigen. Ich kann mir wirklich nicht erklaeren, warum ich auf einmal leichter sein sollte. Gegessen habe ich auf jeden Fall genug. Vieleicht kann ich einmal ein paar Vergleichsmessungen auf anderen Waagen durchfuehren, um herauszufinden ob meine Waage das richtige Gewicht anzeigt.

Irgendwie finde ich, ist es auch an der Zeit einmal ueber ein anderes Urlaubsziel nachzudenken. Ein Erlebnis des heurigen Urlaubs beunruhigt mich in dieser Beziehung besonders: Ich hatte gerade beim Zelt meines Onkels das Formel 1 Rennen angeschaut (über Satellit natuerlich, wie jeder etwas besser ausgeruesteter Camper). Am Ende des Rennens fragt eine Frau vom Nachbar-Clan wie das Rennen ausgegangen ist. Ich berichtete ueber den Rennverlauf. Dann fragte jemand, der gerade im Wohnmobil war und nicht alles verstanden hat, nach. Und diese Frau, der ich gerade alles erzaehlt hatte, rief ins Wohnmobil: " Der Herr Becker hat gesagt, ..." Ich glaubte ich hoere nicht richtig. Ich bin mir sicher das mich zu Hause drei Haeuser weiter keiner mehr kennt und im Urlaub ist man mit Namen bekannt. Warum fahre ich so weit weg, wenn mich dort noch immer jeder kennt.

Oder auch Thomas hat ein paar Bekannte getroffen. Nach einiger Zeit ist auch denen aufgefallen, dass sie mich schon mal gesehen haben. "Das ist doch der Sohn von ..." Weiter habe ich sie nicht ausreden lassen. Ich meinte: "Ja, genau der bin ich" und wir waren alle gluecklich, das wir uns schon so lange kannten.

Ich habe auch wirklich gute Taten vollbracht. An einem besonders Windigen Tag, glaubten zwei Burschen sie muessen mit ihrem Paddelboot die windigste Stelle der Bucht ueberqueren. Das Boot kenterte. Ich war gerade beim Fruehstuecken auf dem Boot meines Bruders. Er sah das gekenterte Boot und fragte mich, was das wohl sein koennte. Ich sagte, ich weiss nicht, und trank einen Schluck Kaffee. Er meinte, das sieht aus wie ein fast gesunkenen Boot mit zwei Leuten daneben im Wasser. "Waere schon moeglich" habe ich gemeint und biss von meinem Brot. Mein Bruder lies nicht locker. " Ob wir sie retten sollten" fragte er. "Warum nicht" habe ich geantwortet und trank die Kaffeetasse aus. Wir fuhren mit dem Schlauchboot zu den Schiffbruechigen. Wir konnten nur ganz langsam fahren, weil sonst das Wasser zu sehr gespritzt haette, und wer wird schon gerne in aller frueh nass. Ach ja, ich sass am Steuer des Schlauchbootes. Als wir naeher kamen, sahen wir, das die beiden alle Haende voll zu tun hatten. Sie versuchten das Paddelboot und sich selbst ueber Wasser zu halten. Aber es waren zwei durchtrainierte Kerle, die schafften das einige Zeit. Als wir bei ihnen angekommen waren halfen wir den beiden ins Schlauchboot und schleppten das Paddelboot an Land. Sie konnten natuerlich kein Deutsch also haben wir ihnen mit ein paar eindeutigen Worten erklaert, wo die Bergepraemie abzuliefern ist.

"PIVO JENNY". Wahrend mein Bruder diese Worte sprach, zeigte er auch noch ganz eindeutig auf sein Boot mit dem Namen "Jenny". Damit sie es auch wirklich verstehen, hat er diese Prozedur auch einigemale wiederholt, bis sie es dann auch schon selbst nachsagen konnten und dabei genickt haben. Am Nachmittag bekamen wir voellig ueberraschend 4 Dosen Bier geschenkt.

Einige Tage spaeter bemerkten wir ein aufgelaufenes Segelboot. Bloeder Weise auch wieder zu dem Zeitpunkt, als gerade das Essen fertig war. Aber im Kopf rechnete mein Bruder hoch, ein Paddelboot entspricht 4 Dosen Bier, eine 15 m Segelyacht ergibt ... . Er rechnete gar nicht fertig und meine zu mir ob wir ihnen nicht helfen sollten. Gesagt, getan. Das Essen musste warten. Wir gingen zum Wasser. Stuertzen uns in die Fluten. Als wir dann bis zum Knie im Wasser standen kletterten wir ins Schlauchboot und fuhren weiter zum Motorboot meines Bruders. Wir fuhren zum Segelboot und ich fragte: "Can we help you" Ich fragte auf englisch, weil es ein italienischen Schiff war und ich kein italienisch kann.

Die Antwort war etwas ueberraschend: "Ja, bitte" Der Skipper des Segelbootes gab uns Anweisungen in welche Richtung wir ziehen sollen.

Der erste Versuch, das Schiff einfach vom Riff zu ziehen, schlug fehl.

Ein Flugzeugtraeger haette es vieleicht geschafft, aber unser zweieinhalb-Tonnen-Turistenboot hatte nicht die noetige Kraft. Beim zweiten Versuch befestigten wir die Leine an der Mastspitze des Segelbootes. Dadurch legte sich das Boot auf eine Seite und der Kiel des Bootes wurde vom Grund gehoben. Gemeinsam mit der Hilfsmotor des Segelbootes entkamen sie der Untiefe. Doch dann stellten wir fest, das sich Bergepraemien nicht linear zur Schiffslaenge verhalten.

Der Skipper bedankte sich hoeflich und gab uns eine Flasche Sekt. Aber es war immerhin ein guter italienischer Sekt. Dann meinte er noch morgen ist er wieder in dieser Gegend und wir sollen Acht geben, ob wir ihn wieder irgendwo retten muessen. Verglichen mit den ueblichen Bergepraemien, die auch mehr als die Haelfte des Schiffswertes ausmachen koennen, erschien uns eine Flasche Sekt als ein bischen knausrig. Aber nach dem Motto, jeden Tag eine gute Tat, fuhren wir wieder zurueck und machten dort weiter, wo uns das Segelboot unterbrochen hat - beim Mittagessen.

Auch das Telefonieren ist in einem fremden Land nicht so einfach als zu Hause. Wobei es eigentlich ganz das gleiche ist als zu Hause, wenn man einen eigenen Telefonanschluss haette. Aber nachdem wir als Durchschnitts-Camper keinen Telefonanschluss im Zelt haben, ja WIR haben nicht einmal ein GSM-Handy mit, musste ich oeffentliche Telefone suchen. Der erste Vesuch zu telefonieren war im Ort Medulin bei der Post.

Bloederweise hatten viele diese Idee und nachdem Warten fuer mich aus Prinzip nicht in Frage kam, war mein zweiter Loesungsansatz zu diesem Problem: Ich telefoniere von der Post des Nachbardorfes, das viel kleiner ist als Medulin und in dem es fast keine Turisten gibt. Gesagt, getan, einmal kurz aufs Gas und ich war schon dort. Fast ein Geisterdorf, keine Turisten, fast keine Einheimischen und was das tragische an diesem Loesungsansatz ist, keine Post.

Enttaeuscht darueber, dass meine geniale Idee an einem so trivialen Detail gescheitert ist, fuhr ich zurueck zum Campingplatz. Dort gibt es auch Telefone, aber die sind etwas teurer als jene im Postamt. Nachdem ich aber schon vor dem Urlaub extra beim Bankomaten war, um ein ordentliches Telefonbudget zu haben, riskierte ich ein Telefonat von einem Campingplatz-Turistentelefon. Ich fasste mich kurz. "schoenen Gruss, mir geht's gut ... " Das Gespraech dauerte maximal 5 Minuten, was jedoch dem Kassier nicht davon abhielt, fuer dieses Gespraech 160.- Schilling zu verlangen. Aber was soll's, wie gesagt, mein Geld kommt eh nur aus dem Bankomat.

Beim nächsten Mal, habe ich mir aber doch gedacht, ich probiere es noch einmal bei der Post, diesmal in der naechsten Stadt. Ich fuhr mit dem Auto die 10 Kilometer nach Pula, suchte dort ein Postamt, fand ein Postamt und dann suchte ich noch einen Parkplatz den ich dann auch fand. Und dann suchte ich wieder das Postamt.

Als ich es gefunden hatte suchte ich im Postamt die Telefone. Nach kurzem Warten ergatterte ich ein freies Telefon. Als ich dann das Telefonat bezahlte, war ich begeistert. Ca. 3 Schilling kostete es diesmal nur. Dazu waere jedoch noch zu sagen, das ich leider nicht die gewuenschte Person erreicht habe, sondern nur die Vermittlung die mir sagte, das die gewuenschte Person nicht erreichbar ist. Aber es war billig und ich freute mich ueber meine grosse finanzielle Ersparnis. Bei der Heimfahrt entdeckte ich auch noch ein anderes Postamt am Stadtrand von Pula, direkt an der Ausfahrt Richtung Medulin, umgeben von vielen freien Parkplaetzen. Ich merkte mir dieses Gebaeude. Am naechsten Tag, fuhr ich direkt zu diesem Postamt, und ich parkte fast vor der Tuer und endlich hatte ich auch die gewuenschte Nebenstelle erreicht. Vor lauter Freude ueber dieses technische Wunder tratschte ich einige Zeit, viel laenger als am Campingplatz und trotzdem zahlte ich nur ein Viertel.

Von diesem Tag an war dieses Postamt mein persoenliches Postamt und ich telefonierte nur mehr von dort. Als ich dann wusste, wie billig dort telefonieren ist, telefonierte ich auch wieder laenger und ich zahlte auch dort wieder meine 160.- Schilling. Aber fuer mehr als zwanzig Minuten tratschen mit dem Ausland. Und das ist einigermasssen angemessen.

Und was habe ich aus dieser Geschichte gelernt: "Wenn man mit dem Auto zum Telefon faehrt, muss man lange telefonieren, damit man sich trotz der 20 km Autofahrt noch etwas spart"

Wenn ihr noch weitere Fragen habt, was ich in meinem Urlaub alles erlebt habe, Schreibt mir, ich werde sie gerne beantworten. Solltet ihr wie bisher keine Fragen haben, ist es auch nicht schlimm. Wenn ich euch etwas erzaehlen will, mach ich es trotzdem.

Schoene Gruesse,

Gerald

P.S.:

Diese Mail kann eure Arbeitszeit betraechtlich verlaengern. Wenn ihr jetzt auf die Uhr schaut, und euch schreckt, weil ihr schon lange zu Hause sein wolltet, kann ich euch den guten Tip geben, niemals eine so lange Mail kurz vor Dienstschluss zu lesen.

Wenn ihr aber auf die Uhr schaut euch freut, weil gerade Zeit fuers Mittagessen ist, obwohl ihr gerade erst gekommen seid, dann habt ihr es richtig gemacht.

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